Das Rundum-Sorglos-Paket für Pipelines

Ein Pipelinenetz will gehegt und gepflegt werden.

Denn selbst dickster Stahl mit einer festen Rohrumhüllung aus dem Kunststoff Polyethylen (PE) ist nicht unzerstörbar.

Die Pflege gestaltet sich als aufwändig: Das Leitungsnetz wird alle drei Wochen abgeflogen und regelmäßig durch Mitarbeiter der Ferngasnetzbetreiber abgefahren beziehungsweise abgegangen.

Aber die Rohre liegen etwa zwei Meter tief im Erdboden. Also finden darüber hinaus die verschiedenen Techniken unterirdisch statt und werden oberirdisch ganz genau beobachtet. Spannend sind die Methoden allesamt, wenngleich die Begriffe dazu eher sperrig sind: Molchung, Kathodischer Korrosionsschutz (KKS) und Intensive Fehlstellenortung (IFO).

Die Pipelines sind zwar mit Kunststoff isoliert, dennoch kann es passieren, dass sich ein spitzer Stein durch den Mantel bohrt. Dann kommt Feuchtigkeit an den Stahl, das Rohr kann rosten.

Um dies zu verhindern, wird die Pipeline – einfach ausgedrückt – unter leichten Strom von 1,2 Volt gesetzt. Das Verfahren funktioniert so: Der Kathodische Korrosionsschutz ist ein elektrochemischer Schutz gegen Rost, bei dem Gleichstrom auf die Leitung gegeben wird. Befindet sich im Kunststoffmantel ein kleines Loch, schließt sich ein Stromkreis und verhindert damit, dass Elektronen von der Rohrwand abgetragen werden und der Stahl korrodiert. Das heißt, er rostet nicht.

Die Stromflüsse werden alle drei Jahre überprüft. Dies geschieht durch Mitarbeiter der Ferngasnetzbetreiber an den gelben Markierungspfählen, in denen sich Messbuchsen befinden. Stecker in die Dose am Pfahl, Messgerät einschalten, schon kommt das Kontrollergebnis.

Die Intensive Fehlstellenortung ist ein Verfahren, um Fehlstellen in der Außenisolierung aufzuspüren. Dieses Vorgehen kommt zum Einsatz, um die Integrität der Pipelines zu sichern. Die Methode ist ein Messverfahren des Kathodischen Korrosionsschutzes – allerdings mit höherer Stromdosis. Es werden etwa 20 Volt auf die Leitung gegeben, und Mitarbeiter der Ferngasnetzbetreiber messen alle fünf Meter die Ergebnisse. Ist im Mantel irgendwo eine Fehlstelle, zeigt das Messgerät diese an.

Komplett anders funktioniert das Molchen: Der Molch ist ein hochempfindliches Inspektionsgerät, das vom Gasstrom durch die Pipeline geschoben wird. Er hat im Allgemeinen denselben Durchmesser wie die Leitung und ist in der Mitte tailliert, damit er sich leichter um die Bögen in der Pipeline bewegen kann. Während seiner Reise durch das Rohr prüft und misst er die Wandstärke und sucht nach Unregelmäßigkeiten. Die aufgezeichneten Daten werden grafisch und in Tabellen erfasst und ausgewertet. Die Auswertungen werden von Vermessungsspezialisten der einzelnen Ferngasnetzbetreiber vorgenommen. Wenn eine Anomalie gefunden wird, kann das verschiedene Gründe haben: ein minimaler Versatz zwischen verschweißten Rohren, eine Fehlinterpretation oder schlimmstenfalls Korrosion. Dann muss ein Rohr saniert werden.

Und warum kommen nun alle drei Verfahren zum Einsatz? Weil durch den Vergleich der Ergebnisse aller Verfahren eine noch bessere Auswertung möglich ist.  Denn die Intensive Fehlstellenortung kann beispielsweise nicht überall angewendet werden. So funktioniert das Verfahren nicht in Bereichen von Straßen, Bahngleisen und an Orten mit starkem Pflanzenbewuchs. Der Molch interpretiert dagegen so genannte Wanddickenverschwächungen wie zum Beispiel Korrosion oder Materialfehler im Stahl. Durch das Überlagern der unterschiedlichen Verfahren können die Messungen besser bewertet werden. Drei Verfahren und jedes einzelne dient der Sicherheit des Pipelinenetzes.