Wir transportieren Erdgas und machen Markt möglich

Die Fernleitungsnetzbetreiber sind dafür zuständig, allen Marktteilnehmern den Zugang zu ihren Netzen diskriminierungsfrei zur Verfügung zu stellen.

Ziel ist es, auch überregionale Gasgeschäfte in Deutschland zu ermöglichen, um so die Position des deutschen Erdgasmarktes als einen der wettbewerbsintensivsten und liquidesten Erdgasmärkte Europas auszubauen. Hintergrund sind die europäischen Anforderungen zum Energiebinnenmarkt, die eine eindeutige Trennung zwischen Gashandel und Gastransport verlangen.

Zu den wichtigsten Bedingungen für einen echten Wettbewerb auf dem Gasmarkt gehört, dass die Gasnetze für alle Marktteilnehmer offen sind, also jeder Gashändler die vorhandenen Ein- und Ausspeisekapazitäten nutzen kann. Die FNB sorgen dafür, unterschiedlichen Kundengruppen den Marktzugang so einfach wie möglich zu machen.

Zwei Marktgebiete

Für die Abwicklung netzübergreifender Transportgeschäfte haben die deutschen FNB zwei Marktgebiete gebildet: GASPOOL und NetConnect Germany. Marktgebiete sind miteinander verbundene Netzbereiche, in denen Transportkunden gebuchte Kapazitäten an Ein- und Ausspeisepunkten flexibel kombinieren können. Für jedes dieser Gebiete gibt es einen Marktgebietsverantwortlichen: die GASPOOL Balancing Services GmbH mit Sitz in Berlin und die NetConnect Germany GmbH & Co. KG in Ratingen. In beiden Marktgebieten existiert ein Virtueller Handelspunkt (VHP). Hier können die Marktteilnehmer Gasmengen nach ihrer Einspeisung ins Marktgebiet und vor ihrer Ausspeisung untereinander handeln. Für den Handel am VHP müssen keine Leitungskapazitäten gebucht werden.

Abwicklung der Transportgeschäfte

Die jährlich aktualisierte „Kooperationsvereinbarung“ bildet die Grundlage für die seit 2011 deutschlandweit identischen „Geschäftsbedingungen Transport“ aller FNB und trägt damit nationalen und internationalen Anforderungen Rechnung. Netzübergreifende Transportgeschäfte erfolgen nach dem Entry-Exit-Modell. Dabei schließen Transportkunden jeweils Ein- und Ausspeiseverträge mit den FNB ab, sie buchen also Ein- und Ausspeisekapazitäten. Sämtliche gebuchten Kapazitäten müssen vor der Nutzung in Bilanzkreise beim jeweiligen Marktgebietsverantwortlichen eingebracht werden. Dies ist Aufgabe der verantwortlichen Transportkunden. In den Bilanzkreisen werden für jeden Marktteilnehmer die ein- und ausgespeisten stündlichen Gasmengen erfasst und täglich bilanziert. Die Bilanzkreise sind ausgeglichen zu halten. Dies geschieht, wenn möglichst genauso viel Gas in einen Bilanzkreis eingespeist wie ausgespeist wird. Ergibt sich insgesamt im Netz ein Ungleichgewicht, gleicht der jeweilige Marktgebietsverantwortliche dieses Ungleichgewicht durch entsprechende Ein- oder Verkäufe von Regelenergie aus. Die hierfür anfallenden Kosten werden in Form von Ausgleichsenergie dem für den Bilanzkreis verantwortlichen Händler in Rechnung gestellt.

Primärkapazitätsplattform PRISMA

Die Vermarktung sämtlicher Transportkapazitäten an buchbaren Punkten von insgesamt 35 FNB erfolgt über die gemeinsame Online-Plattform PRISMA. Betreiber von PRISMA ist eine eigene Gesellschaft, an der deutsche und europäische FNB beteiligt sind. Der Vorteil für die Transportkunden: Sie können ihren Gastransport, der möglicherweise viele unterschiedliche Netze berührt, über eine einzige Plattform organisieren. Je nach Art des Transportgeschäftes erfolgen Kapazitätsbuchungen im Rahmen von Auktionen oder nach dem FCFS-Verfahren (First Come – First Served), das heißt, wer zuerst bucht, bekommt die zur Verfügung stehende freie Kapazität. Mit Ausnahme der unterbrechbaren Kapazitäten werden alle Transportkapazitäten, die über Marktgebietsübergangspunkte (MÜP) und Grenzübergangspunkte (GÜP) führen, in Auktionsprozessen gebucht. Die Auktionen umfassen Kapazitätsprodukte für unterschiedliche Laufzeiten. Es gibt Jahres-, Quartals-, Monats- und Tagesprodukte mit jeweils eigenen Auktionsterminen. Ab November 2015 werden an diesen Übergangspunkten dann auch untertägig stündliche Kapazitäten in Auktionen angeboten. Zudem werden zu diesem Zeitpunkt ebenso unterbrechbare Kapazitäten auktioniert. Ausspeisungen zu Letztverbrauchern (etwa Industrieunternehmen oder Kraftwerke) und Speicheranlagen, Einspeisungen aus Speicher-, Produktions-, LNG- und Biogasanlagen sowie die günstigeren unterbrechbaren Kapazitäten werden nach dem FCFS-Verfahren gebucht. Dabei gibt es keine festen Buchungszeiten. Allerdings müssen die Transportkunden Vorlauffristen beachten. Kapazitätsbestellungen angrenzender (nachgelagerter) Netzbetreiber – etwa den Netzgesellschaften von Stadtwerken – laufen dagegen nicht über PRISMA. Solche Kapazitätsbestellungen wickeln die einzelnen FNB direkt mit den Betreibern der nachgelagerten Verteilnetze ab. Diese müssen im Rahmen des internen Bestellprozesses bis zum 15. Juli eines Jahres die von ihnen benötigte Jahreskapazität für das folgende Kalenderjahr bestellen.

In der Summe gewährleisten die komplexen Handelssysteme unterschiedlichen Marktteilnehmern mit ihren spezifischen Anforderungen einen diskriminierungsfreien Zugang zu den deutschen und europäischen Gasnetzen.